Das Gespenst des deutschen Hofnarrentums oder der Affe vom ZDF

Ein Neffe der 4. Macht beleidigt einen Despoten

, wäre möglicherweise die Schlagzeile gewesen, die im 18. Jahrhundert einen Diderot dazu veranlasst hätte, einen Dialog zwischen Ich und Ihm zu schreiben. In diesem Gespräch würde Er dem vernünftigen Ich erklärt haben, wie es dazu kommen konnte, dass der Despot sich getroffen fühlte, während Er bloß die stillschweigende Übereinkunft erfüllt hatte, für eine Anstellung hier und da unter die Gürtellinie zu vergleichen, auf dass die Langeweile im Staat vergehen möge.

Der Narr im Fass

Böhmermann macht Urlaub

Alles schön und gut, wenn es der Affe des Despoten und nicht der Affe der Kanzlerin gewesen wäre, der auf Kosten des Despoten für Unterhaltung gesorgt hätte. Denn dazu bestellt hatte ihn der Despot ganz und gar nicht. Schließlich wird das affische oder papageienhafte Geschäft im Land des Despoten allenfalls in den Zoo oder sonst irgendwie hinter Gitter gesperrt, damit der vermeintliche Frieden der Stadt nicht von Wahnsinn und Wahrheit gestört werden möge.

Verglichen mit der bedingungslosen Vernichtung der gottlosen Affen andernorts – die damals Voltaire auferstehen ließ, obwohl er dem Candide so übel mitgespielt hatte, dass ich ihn nie hätte wieder treffen wollen – darf der Affe der Kanzlerin vor Gericht aussagen. Das ist kulturell fortschrittlicher auch wenn die Gegenüberstellung des Affen und des Dispoten selbst Satire ist und den Gegensatz der Charaktere unterstreicht:

„Wenn es bedeutend ist, sublim in irgendeiner Art zu sein, so ist es besonders im Bösen. Man spuckt auf einen kleinen Schelm, aber man kann einem großen Verbrecher eine Art Achtung nicht verweigern.“
#clapf

Inspiration: Denis Diderot, Rameaus Neffe und Staatsaffaire 2016, Böhmermann vs. Erdogan

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