Das Gespenst Komplexität I: Großbaustelle BER

Wir erinnern uns an die Finanzkrisen jüngster Wirtschaftsgeschichte, wissen um die Anfälligkeit großer Projekte und hören die Verantwortlichen uns weismachen, dass da ein hohes Maß an Komplexität gewesen sei.

Mehr als nur das fand der Tagesspiegel im Mai 2012 und titulierte das Berliner Flughafenprojekt BER am Rande der Stadt als Weltrekord an Komplexität. Damit schien alles gesagt zu sein, um zu wissen, dass da Sinnesreize falsch verarbeitet oder unabsichtliche Fehldeutungen subjektiver Natur nicht als solche erkannt worden waren:

Ein Schelm ohne Aufklärung, wer das ein Gespenst nennen wollte, obwohl einmal allgemein betrachtet die Komplexität ein recht nebulöses Kleidchen trägt. In Google hat sie sich schon fünf Millionen Mal vernetzt. Als Adjektiv verkleidet traf ich sie zuletzt in einer wissenschaftlichen Abhandlung, in der sie das Papier mit weißen Flecken schmückte und sichtbar oder nicht auch mich berührte und sprach: „Hui Buh, ich bin das Gespenst am Anfang des 21. Jahrhunderts.“

Als sechs Monate später gegen die Berliner Flughafengesellschaft die erste Schadensersatzforderung in Millionenhöhe öffentlich wurde, spukte durch meinen Kopf ein mittelalterlicher Schadenszauber. Der Zeit zufolge sei als Reaktion das ganze Planungsbüro samt Chefplaner gefeuert worden, was mich fast in aufgeklärte Zeiten zurück geholt hätte, wenn nicht deutlich Stimmen von einer ganzen Hexenküche samt Chefzauberer gesäuselt hätten.

Nicht dass sie brennen sollten, nein, die Stimmen waren nicht böse, sondern eher wie Trolle und hießen nicht mehr Derivat, sondern Großprojekt. Sie freuten sich wie der Satz im Kaffee über die Aufmerksamkeit ihrer Gläubiger, die statt Schicksal komplexe Zusammenhänge lasen, weil modernen Zeiten moderne Gedanken geschuldet waren.

„Hui Buh, Du kannst mich nicht fangen“, rief es, als ich mit meiner Hand danach griff, was so luftig wie eine Elfe war, als Naturzauber irre machte und sich kichernd entfernte, aber freilich nicht ohne die Goldtaler und das Silberbesteck unserer Gesellschaft fortzutragen. Während die Zurückgebliebenen nur weiße Bettlaken in den Händen hielten und die Verluste abschrieben, verschwanden die Kaffeesatzleser mit den letzten Krumen. Einer holte sich noch rechtzeitig einen Titel, ehe es wieder Geisterstunde schlagen würde.
#clapf

Tagesspiegel zum Großflughafen Berlin Brandenburg International, Mai 2012
Zeit-online zum Untersuchungsausschuss, Oktober 2012

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