East Anglia: Kirchen, Klöster und Fiddler’s Hill

Am Ort um Fiddler’s Hill hält sich schon seit dem Mittelalter die Legende von einem Fiedler, der in Begleitung seines Hundes in diese Gegend Norfolks kam und sich anbot einen legendären schwarzen Mönch in einem geheimnisvollen Tunnel zu entlarven.

Maskaron in der Krypta

Begegnung in der Krypa

Der Mann verschwand fiedelnd mit seinem Hund unter der Erde und wurde erst 1933 von Straßenarbeitern wieder ausgegraben. Sie entdeckten beim buddeln drei Skelette und identifizierten den Mann, den Hund und den Mönch. Ob es sich bei den Knochen des Mönchs um William de Somerton oder um Alexander de Langley handelte, ist bis heute unklar. Die Bewohner der Stadt Walsingham jedenfalls erinnerten sich an beide, wenn sie von dem schwarzen Mönch sprachen, der bis zum Auftauchen des Fiedlers in dem Tunnel zwischen Binham und Walsingham sein Unwesen getrieben hatte. Heute ist von der Legende noch der Klang der Fiedel geblieben, die in mondlosen Nächten zu hören sein soll.

Auf der Suche nach dem Tunnel zwischen den Ortschaften Walsingham und Binham bieten ihre Klosterruinen einen guten Ausgangspunkt. Während in Walsingham neben Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela einer der vier wichtigsten Schreine für Pilgerreisende zu besichtigen steht, hatte Binham weniger Heiliges anzubieten. In der heutigen Ruine soll der Mönch William de Somerton in gefürchteten alchemistischen Experimenten im 13. Jahrhundert dem Geheimnis des Goldmachens auf der Spur gewesen sein. Seine Forschung war teuer, weil zu de Somertons Lebzeiten in Binham neben dem Kelch auch Löffel, Silberbecher und Goldringe vermisst wurden und nach seinem Ableben das Kloster 600 Pfund Schulden gehabt haben soll.

Von Alexander de Langley wird berichtet, dass er durch maßloses Studium in Binham verrückt geworden sei. Er wurde in einer Klosterzelle bis zum Tod in Ketten gehalten und dann in selben begraben. Beide Mönche lieferten die Geschichte für den Geist des schwarzen Mönchs, der in mondlosen Nächten im Tunnel zwischen Binham und Walsingham spukte.

Als eines Tages der Fiedler dem Kettenrasseln und der Alchemie ein Ende bereiten wollte, wurden die Menschen über der Erde Zeugen, wie er fiedelnd in den Tunnel hinabstieg. Sie folgten dem Klang der Fiedel bis zu einem Hügel, den wir heute als spätneolithischen bis bronzezeitlichen Grabhügel datieren. Oben auf dem Grab war es so still, dass die Menschen verängstigt zum Tunneleingang zurückkehrten. Vom tapferen Fiedler fehlte da jede Spur. In jener Nacht noch soll ein heftiger Sturm den Eingang zum Tunnel zerstört haben.

Binham und Walsingham liegen heute in direkter Linie knapp vier Meilen voneinander entfernt und wer die Strecke mit dem Auto fährt, der wird das prähistorische Hügelgrab aus einer Zeit zwischen 2500 und 1400 BC, das später nach legendärem Fiedler benannt wurde, verpassen. Um diese kleinen Unstimmigkeit zwischen Legende und geographischer Begebenheit aufzulösen, ist eine andere Verbindung als die heutige Straße zu suchen:

In der Tat, da verbindet ein Fluss namens Stiffkey über 6,5 Meilen Walsingham über Warham mit Binham und von Binham weiter nach Stiffkey und dahinter weiter durch sumpfiges Schwemmland bis in die Nordsee. Ein Mündungsarm weiter östlich verlängert den Flusslauf bis Blakeney Guildhall, wo eine zweite Version der Legende erzählt wurde:

Danach seien es wahrlich die Bewohner von Blakeney unter der Führung ihres Bürgermeisters gewesen, die dem Fiedler gefolgt wären und eben an der Stelle, an der sie vermuteten, dass der Teufel den Fiedler und seinen Hund geholt hätte, einen Hügel errichteten. Solche Hügel waren im Mittelalter auch Hinrichtungsorte für all jene, die nicht nach den kirchlichen Geboten lebten. Ihre Gebeine wurden an Ort und Stelle nur flach begraben, weil ihnen kein Begräbnis auf heiligem Boden zustand.

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Beschriftung

Stiffkey ist bei Binham eine Furt und fließt bei Fiddler’s Hill eher schmal und bescheiden. An Furten waren Zölle zu entrichten und so ist anzunehmen, dass Binham von den Händlern und Pilgern profitierte, die per Schiff aus Norden oder Osten kamen. Weiter auf dem schmalen Flüsschen ging es nur mühsam meist über Treidelwege voran. Dann mussten sie am nicht geweihten Boden des Begräbnishügels vorbei. So ein Ort könnte für den mittelalterlich denkenden Menschen eine gefürchtete Zwischenwelt gewesen sein, wo Seelen gefangen auf das jüngste Gericht warteten.

Nach diesem Schrecken gelangten sie nach Warham und hinter Warham vorbei an der verlassenen Befestigungsanlage, in der die Menschen zwischen 2500 und 1400 BC vermutlich ihre Wohnstätten hatten. Danach erst erreichten sie Walsingham, wo der Schrein Our Lady Erlösung versprach. Bis zum Schrein muss sich die Reise wahrlich wie ein Weg von der Hölle in den Himmel angefühlt haben auf diesem ja Raum und Zeiten verbindenden Fluss. Heute gehört Fiddler’s Hill zum archäologischen Trust Norfolks und es wird vermutet, dass unter dem zwei Meter hohen Hügel noch viele prähistorische Einwohner liegen.
#clapf

Inspiration: Fotogalerie von Nicolai Beuermann
The Norfolk Archaeological Trust: Fiddler’s Hill
Die Legende: The Fiddler, the Alchemist and the Black Monk

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