Das NSA-Gespenst: Mit asketischem Surfverhalten zum Gnadenprofil oder die Renaissance der Druckerzeugnisse

Während sich die einen damit abgefunden haben, weder auf das attraktive Bildchen zu klicken noch auf die spannende Headline hereinzufallen und überhaupt nur noch selbstbeherrscht im Netz unterwegs zu sein, gehen andere längst wieder zum Zeitungskiosk, um sich mit den passenden journalistischen Textfarben und Bildreportagen zu versorgen. Damit hat die schon oft prognostizierte Verdrängung von Zeitungspapier nicht stattgefunden, im Gegenteil…

Rennaissance von Print und Bargeld

Unwahrscheinlich?

PRESSEMITTEILUNG
Die Renaissance von Flug-, Magazin- und Zeitungspapier

BIG CITY, Juli 2178 – seit den Enthüllungen von Eduard Schneedorn im letzten Jahrhundert hat sich das Internet zu einem Ort der Askese gewandelt. Asketische Surfverhalten sind aber nicht religiös oder philosophisch motiviert, sondern allein der permanenten Sebstgestaltung digitaler Profile geschuldet. Die dafür aufgewandte aktive Selbstbeherrschung entspricht nur Mönchen und Nonnen, weshalb ein Großteil der Internetleser wieder auf Magazin- und Zeitungsbeiträge zurückgreift. „Ich möchte einfach nicht mit jedem Klick meine Ansichten preisgeben“, begründet eine Frau ihre Rückkehr zu gedruckten Informationen. Ein Wirtschaftjurist fügt hinzu, dass heutzutage die gedruckte Zeitung in der Öffentlichkeit als Statement „Pro Persönlichkeitsrechte“ gelte, während die durch Smart Devices geoutete „Ich-habe-nichts-zu-verbergen“-Fraktion immer kleiner werde.

Nach Einschätzung der Abt. Research von kunstprofil.com liege eine Erklärung für diesen Trend in der Erkenntnis unzureichend entwickelter algorithmischer Rechenmodelle, die besonders bei einer Bewertung komplexer und widersprüchlicher Systeme fehleranfällig seien. Der Faktor Mensch müsse dabei stark vereinfacht werden, indem zwischen relevanten und nicht relevanten Informationen gewürfelt würde.

Subjektiv nicht relevante Unachtsamkeiten werden zu objektiv relevanten Beurteilungen, die dann nicht mehr durch einen erhöht guten Willen zu späterer Zeit ungeschehen gemacht werden können. Gnadengesuche, die im Recht auf Vergessen geregelt wurden, können wohl bei Profilwasch-Unternehmen schriftlich beantragt werden. Dennoch bleibt so ein Antrag abrufbarer Teil des Profils, über das im Zweifel zusammen mit dem Inhalt des Antrags entschieden wird.

Anscheidend gibt es im Netz keine Möglichkeit, sich der Produktion von Information zu entziehen, weshalb die Rückkehr zu Gedrucktem keinen Rückschritt darstellt, sondern einen Fortschritt hin zu einem bewussten Umgang mit den eigenen Daten.
#clapf

Inspiration: Max Weber, Die religiösen Grundlagen der innerweltlichen Askese, in: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Flattr this!

One Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.