Irland I: Mythen, Kelten Dichtung

Mit einer Mythologie voller Magie und Druidenzauber kamen von Norden über das Meer die Götter nach Irland. Sie brachten vier Talismane: Einen Stein, einen Speer, ein Schwert und einen niemals leeren Kessel.

Cahermacnaghten

Ruine einer alten Gesetzesschule

Damals wie heute liegen nördlich von Irland mit gut erhaltenen Zeugnissen keltischer Kultur die Äußeren Hybriden, die Inseln Lewis, North Uist und weiter nordöstlich im Meer die Orkney- und Shetlandinseln. Ob es wohl jene Inseln waren, von denen die Götter Stein, Speer, Schwert und Kessel nach Irland brachten?

Die Gesetzgebung soll fortgeschrittener als auf dem mittelalterlichen Kontinent gewesen sein. So berichten irische Historiker, dass mit den Brehonischen Gesetzen, schriftlich seit 800AD, Frauen Rechte hatten, die ihnen in anderen männlich dominierten Gesellschaften vorenthalten wurden. Als Beleg zitieren sie Aufzeichnungen aus dem Cahermacnaghten Fort, wo die Rechtsschule des O’Davoran-Clans war. Für mich Grund genug den Ort zu besuchen.

Eine Mauer fällt zusammen zwischen Gras und Pfützen. Nichts in Cahermacnaghten verklärt die Tatsache, dass Frauen bis ins 19. Jahrhundert keine eigenständige Rechtspersönlichkeit besaßen. Ihre Ansprüche konnten sie mit einem Mann als Vormund gerichtlich geltend machen. Nun ja vielleicht hat es einmal bei den Ansprüchen vergleichsweise revolutionäre gegeben, aber solange es mehr Erzähltes denn Geschriebenes gibt, beflügelt das keltische Erbe ein Träumerchen.

Keltomaninia scheint nicht nur ein eher weiblicher Hype, wie mein eigenes Interesse und die vielen Internetseiten zum Thema vermuten lassen, sondern auch eine identitätsstiftende Stütze für all jene, denen Griechenland zu weit weg gelegen oder zu hoch verschuldet ist. Das sahen die Kelten selbst ganz anders, denn sie schätzten griechischen Wein und reisten dafür weite Strecken Richtung Süden. So wusste schon Platon um 450 von der Trunkenheit keltischer Händler zu berichten, die ihre Wagen und Schiffe mit schweren Fässern beluden.

Eine andere Angewohnheit, die Poseidonios seltsam bezeichnete, war das Sammeln menschlicher Köpfe. Daneben hob er in seinen Beschreibungen über Rom um 100 hervor, dass Kelten zunehmend als Nachbarn für politische Allianzen und Geschäfte infrage gekommen wären. Für eine Amphore Wein sollen sie einen Sklaven getauscht haben, was nicht nur für Poseidonios, sondern für alle römischen Händler ein unglaublich gewinnbringender Handel gewesen ist.

Neben Wein besaß auch das Geschichtenerzählen einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert und niemand geringerer als Julius Cäsar rühmte um 50 die Gedächtnisleistung keltischer Druiden. Mir erzählte einmal einer, dass die Lebenserwartung in einer Keltensiedlung höher gewesen sei als in einer Wohnstätte zu Zeiten der Industrialisierung und ich hätte ihm stundenlang zuhören mögen wie allen irischen Dichtern und Erzählern, die mit ihrer Magie auch große Festlandutopisten in den Schatten stellen. Wen mag es da verwundern, dass die Macht der Dichtung schon in der irischen Mythologie verankert ist:

So wird erzählt, dass das Unglück des schönen aber hohe Abgaben fordernden König Bres erst über ihn gekommen sei, nachdem er zu vielen anderen von Geiz getragenen Handlungen auch den bekannten Dichter Corpre bei alten Kuchenkrümeln in einem dunklen Loch bewirtet haben soll. Wenig dankbar sei Corpre am anderen Morgen mit den Worten weitergezogen, dass so wie für ihn, den Geschichtenerzähler – ohne Mahlzeit, ohne Milch, ohne Geborgenheit, ohne Licht und ohne Lohn der Reichtum des Bres aussehen solle; und ein Dichterwort bewahrheitete sich – ach im Mythos.
#clapf

Inspiration: Fotogalerie von Nicolai Beuermann
Literatur: Das Große Buch der Irischen Mythen und Legenden, Lady Gregory 1910
Hilfe: The Celts: A Very Short Introduction, Barry Cunliffe 2003

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