Das Gespenst Komplexität II b: Frisuren à la Nonnenmacher – ein asymmetrischer Trend 2007

Als Victoria Beckham und Rihanna 2007 ihre sexy Langhaarfrisuren zu asymmetrischen Bobs kürzten, begann bei uns die große Bankenkrise. Links war länger als rechts, aber ein Markt für schiefe Frisuren fehlte.

Friseursalon von Nonnenmacher

der D. J. Nonnenmacher Laden


D. J. Nonnenmachers viel zitierte Entschuldigung, dass eine falsche Bilanz keine gefälschte Bilanz sei, prägte das Wirtschaftsjahr 2010. Die Vorwürfe einer unrichtigen Darstellung wurden von ihm stets mit der Begründung zurückgewiesen, dass das Omega-Geschäft wohl falsch bilanziert worden sei, aber seither korrigiert wurde. Richtig, Frau Beckham fand sich mit schiefem Bob auch nicht mehr so klasse und rückte ihren Kopf mit teuren Extensions gerade. Auch Rihanna schloss das Jahr in Los Angeles bei den Music Awards 2010 mit einem symmetrischen Lockenkopf. Nun Ja, die Zeit der schiefen und blond verfärbten Frisuren war offenbar vorbei, asymmetrische Erscheinungen wurden ausgeglichen und Nonnenmacher trat Anfang 2011 zurück.

Mitte Juli 2013 wird er sich zusammen mit fünf weiteren früheren Vorständen der HSH Nordbank vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Thema ist die Zweckgesellschaft namens Omega 55. Die HSH versicherte dort Immobilienkredite in einem Wert, der je nach Bericht irgendwo zwischen 2 und 3,8 Milliarden Euro lag. Mit im Bündnis war die französische Großbank BNP Paribas, die bei Omega über 820 Millionen Euro in Form von Zertifikaten, Anleihen und Hypotheken unterbrachte. Am Ende blieb der HSH ein Schaden von 158 Millionen Euro.

Strafanzeige stellte 2009 der Hamburger Rechtsanwalts Gerhard Strate. Nach vier Jahren wurde 2013 die Anklage zugelassen. Sie ist 606 Seiten lang und beinhaltet den Vorwurf, dass das Risiko von Omega nicht richtig geprüft worden sei. Weiter soll eine falsche Darstellung in der Bilanz nachgewiesen werden. In der Begründung heißt es, dass Nonnenmacher Abschlussprüfer, BaFin und Rating-Agenturen täuschen wollte.

Alle Vorwürfe wurden seither von den Angeklagten zurück gewiesen, denn Omega sei weder unüblich noch hochriskant gewesen. Richtig, 2007 war ein Jahr der Euphorie. Die FAZ meldete einen sprunghaften Anstieg solcher Absicherungsgeschäfte und hohe Gewinne. Erst kurz darauf folgten die Verluste und die große Bankenkrise rollte an. Seither hat sich doch viel verändert.

Einer Bewertung von Omega im historischen Kontext dürfen wir mit Spannung entgegen sehen. Allein die Aufarbeitung nur dieses einen Geschäfts aus jener Zeit sei laut Süddeutsche Zeitung komplex genug. Der asymmetrische Frisuren-Trend scheint die Bilanzen zu visualisieren, wenn man dazu bedenkt, dass schließlich hier wie da die Märkte fehlten und teuer geflickt werden musste.
#clapf

Zum Omega-Prozess: Süddeutsche Zeitung vom 2. Mai 2013
Komplexität II a: Deals gem.§ 257c StPO nur mit der Taube auf dem Dach vom 1. Mai 2013

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